100 Jahre Schwarzensteinhütte
1894 - 1994
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Die Sektion Leipzig des DOEAV feierte
im Jahre 1894 das 25. Jahr ihres Bestehens; aus diesem Anlaß erbaute
sie
im gleichen Jahre die Schwarzensteinhütte
in den Zillertaler Alpen,
auf der Südostseite
des Schwarzensteins.
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Für das aus Stein aufgeführte, zweistöckige
Haus legten die Leipziger großzügige Maßstäbe an,
und die ausgesetzte Lage - auf dem Felsenplateau am Beginn der Trippachschneide,
die den Rotbachgletscher vom Trippachgletscher trennt, stellte die Erbauer
und den Baumeister Eppacher aus St. Johann gleich schon in den ersten Jahren
vor größere Schwierigkeiten, da gerade in dieser Gegend die
Witterungsverhältnisse nicht gerade die günstigsten sind, und
der Zustieg vom Ahrntal, von der Berliner- oder von der Greizer Hütte
an den Bergsteiger hohe Anforderungen stellt. Die Lage der Hütte ist
aber beeindruckend: bei schönem Wetter reicht das Auge vom Großvenediger
über die Dreiherrenspitze und Rötspitze zum Hochgall, Wildgall
und Schneebigen Nock; aber auch alle namhaften Dolomitengipfel vom Monte
Cristallo bis zum Massiv des Schlerns belohnen das Auge des Besuchers.
Von Norden her reichen die Firnhänge des Schwarzensteins, der Floitenspitzen
und des Großen Löfflers bis unmittelbar an die Schutzhütte,
aus dessen Fenstern man direkt in die tiefen Gletscherspalten des Trippachgletschers
blickt. Unvergeßlich ist bei schönem Wetter der Sonnenaufgang
an der Hütte, der die Frühaufsteher bei schönem Wetter belohnt.
Mehrere Dreitausender sind von der Schwarzensteinhütte in kürzester
Zeit erreichbar: Schwarzenstein (3.368 m), Großer Mörchner (3.270
m), Westliche Floitenspitze (3.195 m), der Aufstieg auf den großen
Löffler (3.378 m) über das von riesigen Spalten zerrissene, mächtige
Floitenkees wird für alle Bergsteiger zu einem unvergeßlichen
Erlebnis. Für Wanderer von Hütte zu Hütte ist der Übergang
zur Greizerhütte im Floitental, die Überschreitung des Schwarzensteins
zur Berliner Hütte oder der herrlich angelegte Stabeler Höhenweg
zur Neves-Joch-Hütte (ehem. Chemnitzer Hütte) zu empfehlen.
Zur Geschichte
Wege
Der Aufstieg von Luttach im Ahrntal wurde von der Sektion Leipzig jedes
Jahr verbessert und teilweise neu angelegt, da Wegteile von Lawinen und
Steinschlag oft gänzlich zerstört wurden. Es wurde sogar an eine
hundert Meter hohe und 30 - 40 m lange Brücke über die Schwarzenbachklamm
gedacht, denn
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"dieser Weg würde sehr romantisch und sehenswerth sein, sodaß
sich wohl dadurch eine größere Frequenz unserer Hütte erzielen
ließe".
Immer größere Probleme entstanden bei der Querung
des Rotbachgletschers unterhalb der Hütte. Schon im Jahre 1898 wurde
an einen Zustieg durch "eine Schneerinne auf die Trippachschneide und
dann immer auf dem Grat bleibend" zur Hütte gedacht. Diese Möglichkeit
wurde aber wieder verworfen, da sie zu schwierig und nicht sicher war.
Auch der Aufstieg durch das Trippachtal zum Trippachgletscher
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("eine halbe Stunde über diesen selbst bis zum letzten Kamin, welcher
zur Trippachschneide hinaufzieht")
wurde von der Sektion nicht bewilligt, obwohl er für "Touristen,
welche aus Prettau kommen", der kürzeste Anstieg zur Hütte
gewesen wäre. Im Jahre 1901 findet man im Bericht des Hüttenwartes
Wolfgang Dietrich folgenden Hinweis:
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"... Aber auch unter der Hütte bis zum Gletscher muß der
Weg neu hergestellt werden, da der Gletscher sehr zurückgegangen ist.
Die Randkluft hatte sich in diesem Jahr so erweitert, daß sie im
August überhaupt nicht mehr überschritten werden konnte. Es mußte
mittels Brettern und Leitern eine Stelle von 6-8 Metern unter der Spalte
gangbar gemacht werden. ... Auf jeden Fall empfiehlt es sich ein leicht
transportable Brücke mit Geländer anzuschaffen, welche im Bedarfsfalle
gleich zur Stelle ist, um über die Spalte geschlagen zu werden. ..."
Um den Bergführern den Weg von der Berliner Hütte
über den Schwarzensteingletscher auch bei schlechten Witterungsverhältnissen
zu ermöglichen, wurden schon im Jahre 1895 Stangen aufgestellt:
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"... es waren ca. 1200 Schritte zu markieren und habe ich im Frühjahr
25 Stangen aufstellen lassen, welche im Frühjahr 1897 noch durch 10
- 15 Stangen zu ergänzen sind. Von Seiten der Führer ist mir
stets der größte Dank ausgesprochen worden. ... Für die
Touristen, welche allein gehen, haben die Stangen gar keinen Zweck, da
bei völligem Nebel doch eine gewisse Kenntnis der Situation zur Orientierung
gehört ...".
Instandhaltungs-, Umbau- und
Renovierungsarbeiten
in den Jahren 1896 - 1913
In den ersten Jahren wurde die Schwarzensteinhütte immer wieder
vom Blitz getroffen, dabei wurde aber glücklicherweise nur die Blitzableiteranlage
beschädigt:
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"... Dem Blitzschlag für künftighin vorzubeugen, ist die Leitung
wesentlich verbessert worden, ca 400 m mehr Kabel sind von der Hütte
nach den Gletschern geführt worden, um die in denselben gelegten Anoden
mit dem Blitzableiter zu verbinden ...".
Schon im Jahre 1898 mußte die Nord- und Ostwand verschindelt werden:
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"... von den Aufwendungen, die für nächstes Jahr zu tätigen
sind, ist in erster Linie eine Verschindelung der Ostwand vorzusehen. Diese
Front, nach dem Großen Löffler zu gelegen, ist am meisten den
Witterungseinflüssen ausgesetzt. Die durch den Regen nasse Wand gefriert
über Nacht, während die Sonne dieselbe wieder thaut, wodurch
der Kalkmörtel zerstört wird ...".
Im Jahre 1901 wurde die Süd- und Westwand verschindelt. Ausbesserungs-
und Umbauarbeiten waren auch in der Hütte jedes Jahr an der Tagesordnung:
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"Die im vorjährigen Bericht angeregten baulichen Veränderungen
sind jetzt dringlicher geworden, da es sich herausstellt, dass ein zweiter
heizbarer Raum unbedingt nöthig ist. Es wird unsere Hütte sehr
viel von Damen besucht. Dieselben kommen grösstentheils im erhitzten
Zustande, mitunter auch von Schnee und Regen durchnässt, an, und ist
daher ein besonderer Ruam, in welchem sich die Damen umkleiden können,
sehr erwünscht. ... Ferner hat sich herausgestellt, dass der bis jetzt
zum Aufenthalte der Führer bestimmte Raum wegen zu grosser Kälte
zu diesem Zwecke nicht geeignet ist, während eine beständige
Heizung zu grosse Unkosten erfordert. Die Führer haben sich übrigens
auch nicht darin aufgehalten, sondern, wie überall, trotz des Verbotes
in der Küche gesessen. Es ist daher das Beste, die Küche druch
Wegnahme der Scheidewand mit den bisherigen Vorrathsräumen zu einem
grösseren Raum zu verbinden ...."(1897).
Das Touristenzimmer wurde mit dem im Erdgeschoß liegenden Schlafzimmer
durch eine Tür verbunden, der Pritschenraum (Matratzenlager: 9 Schlafplätze)
- trotz des billigen Preises sehr wenig in Anspruch genommen - wurde verkleinert
und ein Teil zu einem Schlafzimmer umfunktioniert.
Im Jahre 1903 wurden zwei Klosettbecken mit Wasserspülung aufgestellt
("... haben den großen Übelstand des üblen Geruches
und Zugwindes etwas abgeholfen ...") das Führerschlafzimmer, der
Raum für die Wirtschafterinnen und der Pritschenraum wird auf den
Dachboden verlegt und dieser ausgebaut, Heizöfen in zwei Schlafzimmern
aufgestellt, und 21 neue Fensterläden aus starkem Holze mit soliden
Beschlägen und festen Riegeln angebracht (1905).
Im Jahre 1913 wurde die Anbringung von 22 Doppelfenstern empfohlen,
um Brennmaterial zu sparen, eine Ölfeuerung ins Auge gefaßt
("leicht transportables Heizmaterial"); außerdem mußte
immer wieder das Dach ausgebessert werden:
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"...das Schindeldach war undicht geworden, so daß der Schnee hereingeweht
war. Über der Decke des allgemeinen Schlafraumes haben sich große
Schneemassen angesammelt ...".
Bewirtschaftung
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"Über die Bewirthschaftung habe ich nur eine Stimme gehört,
alle waren des Lobes voll, dafür wurde eben auf der Hütte für
ein ausgezeichnet zubereitetes, frisches Schnitzel, Cotelette oder Schweinsbraten
nur 55 kr. bezahlt. Die starken Transportkosten, erhöht durch die
Ungunst der Witterung und die hohen Fleischpreise haben leider verursacht,
dass die Ausgaben die Einnahmen bedeutend überschritten haben, und
daß ein Theil der Hüttengelder zur Bewirtschaftung verwendet
werden mußte ...".
Dieser Umstand veranlaßte deshalb auch die Sektion, die Bewirtschaftung
an Lina Reden und deren Bruder Martin, die auch schon vorher für die
Betreuung der Besucher sorgten und dafür eine Enschädigung von
jährlich je 100 fl. erhielten, vertraglich zu übertragen.
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"Die Section schreibt die Preise und Qualitäten der Speisen und
Getränke vor und vergütet für das erste Jahr 60 Gulden als
Zuschuß zum Holztransport nach der Hütte. Der Pächter bezahlt
also jetzt die angeschafften Speisen-Vorräthe selbst und nimmt den
Erlös dafür ein. ..." (1897).
Der Bergführer Martin Reden hat die Hütte bis 1914 mit 2-3
Wirtschafterinnen geführt,
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"... und habe über deren Leistungen und Verpflegung von keiner
Seite Tadel gehört. Es hat sich aber die Notwendigkeit herausgestellt,
für die Folge noch eine dritte weibliche Person zur Bedienung und
zur Abrechnung einzustellen. Der Andrang namentlich von Passanten ist öfters
so gross, dass es für die Köchin unmöglich ist, das Kochen,
Bedienen, Kontrollieren und Abrechnen zu gleicher Zeit ordentlich auszuführen
...(1901)".
Besucher
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"Festgefügt thront unsere Schwarzensteinhütte auf der Trippachschneide,
den Stürmen und Lawinen Trotz bietend. Weithin sichtbar überragt
sie das Rotbachkees. In stolzer Höhe zeigt sie sich den vielen Touristen
von Taufers und fordert solche zu einem Besuche heraus. Doch sind es verhältnismäßig
nur Wenige, welche dieser Einladung Folge leisten."
Das Wetter in den Jahren 1895 bis 1913 war nicht gerade das Beste und
so blieb der erhoffte Besucherandrang unter den Erwartungen. Immer wieder
mußte die Sektion Leipzig Zuschüsse gewähren, da die Gelder
aus der Hüttenkasse die großen Unterhaltskosten für die
Hütte nicht deckten.
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"... Leider pflegen die meisten Besucher, und zwar diejenigen, welche
von der Berliner Hütte kommen, nicht bei uns zu übernachten und
die Hütte nur als Raststation zu benutzen. Nur die wenigen Besucher,
welche aus dem Ahrental hinauf steigen, benutzen die Hütte als Nachtquartier
und auch diesen nur wird die unbeschreibliche Pracht eines Sonnenunterganges
in dieser Höhe zuteil ...".
In den ersten Jahren besuchten die Hütte zwischen 500 und 800 Personen
pro Saison, die höchste Besucherzahl erreichte die Hütte im Jahre
1911
"Der heiße trockene Sommer hat in diesem Jahre den hochgelegenen
Hütten einen zahlreichen Besuch zugeführt, so daß sich
auch die Schwarzensteinhütte einer vorzüglichen Sommersaison
erfreuen konnte: 1344 Besucher insgesamt, davon 427 Übernachtungen:
457 Personen mehr als der Durchschnittsbesuch der letzten 15 Jahre".
Allerlei Interessantes
(aus den "Veröffentlichungen der Section Leipzig:
1895 - 1913")
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1895: Blitzeinschlag in die Hütte, in der sich 16 Personen
befanden, ohne jedoch wesentlichen Schaden anzurichten.
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1896: "Dieses Jahr wurde die Hütte von dem Wintergast der Zillerthaler
Hütten heimgesucht. Die Verwüstungen, welche der bayr. Deserteur
Allramseder in der Hütte während seines Aufenthaltes im April
und Anfang Mai angerichtet hatte, sind von mir am 17. Mai dieses Jahres
festgestellt worden. Der hauptsächlichste Schaden war von dem Einbrecher
durch Verbrennen von Einrichtungsgegenständen verursacht worden: 6
Bettstellen, die Einlegebretter von weiteren 6 Bettstellen und fast alle
des Pritschenraumes, 6 Bänke, ca. 12 Stühle, 5 Fußbänke,
das grosse Wasserfass und verschiedene kleinere Holzgegenstände, zerbrach
mehrere Thüren und Schrankthüren vollständig und ruinirte
mehrere Handtücher, Bettücher, ...".
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1897: Erste kolorierte Postkarte
mit Ansicht (Kunstmaler Heubner)
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1898: Verschindelung der Nord- und Ostwand
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1899: "Im Laufe dieses Sommers hat der bekannte Bergführer
Stabeler Hans auf seine eigenen Kosten eine kleine Bretterhütte auf
dem Gipfel des Schwarzensteins errichtet. Dieselbe dient als Weindepôt
ist es es dem Besucher derselben überlassen als Eintrittsgeld 20 Kr.
zu entrichten. Bei schlechtem Wetter wird die Hütte dem Besteiger
des Schwarzensteins sehr willkommen sein".
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1899: Die erbetetene Gast- und Schank-Conzession ist der Schwarzensteinhütte
nunmehr definitiv laut Schreiben vom 12.7.1899 durch die k.k. Bezirkshauptmannschaft
Bruneck genehmigt worden.
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1900: "Der große Andrang zur Pariser Weltausstellung hat dieses
Jahr den Besuch der Alpen etwas beeinträchtigt, sodaß auch der
Verkehr auf unserer Schwarzensteinhütte davon betroffen worden ist."
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1902: "Leider haben wir unter unseren Führern einen schmerzlichen
Verlust zu verzeichnen. Johann Niederwieser, gen. Stabeler ist bei der
Ausübung seines Berufes am Breitlahnernock durch Abstürzen tödlich
verunglückt. Alle, welche diesen vorzüglichen Führer und
biederen Mann kennen gelernt haben, werden diesen Verlust sehr bedauern"
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1903: Die projektierte, und von der Sektion bereits genehmigte Drahtseilbrücke
über die Schwarzenbachklamm wurde einerseits wegen der sehr hohen
Baukosten aber vor allem wegen der vorgeschriebenen, dauernden Beaufsichtigung
seitens der Baupolizei fallengelassen. Deshalb wurde die Erschließung
der Schwarzenbachklamm vom Hüttenwart vorgeschlagen, "... indem ein
Weg theils in Fels gesprengt, teils auf eisernen Konsolen ruhend bis an
den am Ende befindlichen Luttacher Wasserfall geführt werden soll".
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1904: Der Schwarzenbach Wasserfall wurde durch die Sektion Leipzig
erschlossen: "... Der Glanzpunkt unserer neuen Weganlage wird aber durch
die Erschließung der Schwarzenbachklamm gebildet. Dieselbe ist eine
Abzweigung vom Wege und erfordert deren Besichtigung einen Zeitaufwand
von nur 5 Minuten. Ein kühner Steg, welcher den Schwarzenbach überbrückt,
vermittelt den Eingang in dieselbe. Der schmale Pfad, welcher in den Fels
gesprengt und mit sicherem Geländer versehen ist, führt bis zum
Ende der Klamm. Hier ergießt der Schwarzenbach seine Wassermassen
in einer senkrechten Rinne in den Talkessel. Der weiße Schaum der
herabstürzenden Wassermassen in den grünen Fluten des mächtigen
Kessels gewährt dem Besucher ein fesselndes Bild. Angenehme Kühlung
lohnt den Besucher für die Mühe des kurzen Aufstieges."
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1905: "Die Schadenersatzansprüche der hauptsächlichsten
Grundbesitzer, durch deren Besitzungen der neue Weg führt, sind schon
im vorigen Jahr geregelt worden. Die übrigen hatten überhaupt
keine Entschädigungen verlangt. Nur einer, der Häusergangbauer,
Sebastian Oberkofler in Luttach, hat in diesem Jahre durch ein eigenmächtiges
Kraftmittel seinen Anspruch geltend gemacht, indem er durch einen großen
Felsblock den Weg versperrte. diesMit Zuhilfenahme des Tauferer Gendarmen
habe ich veranlaßt, daß er Verkehrsstörung wieder beseitigen
mußte, doch hielt ich es für ratsam, mich auf gütlichem
Wege mit ihm zu einigen. Ich bewilligte im 15 Heller für den laufenden
Meter als einmalige Entschädigung, wogegen er das Betreten des Weges
für ewige Zeiten freigibt".
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1908: "Die am 20. Juli d. J. eröffnete elektrische Bahn von
Bruneck nach Sand hat einen guten Einfluß auf den Besuch der Schwarzensteinhütte
ausgeübt ..."
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1909: "... Ein ganz neuer Anstieg (auf den Schwarzenstein) ist dieses
Jahr zum ersten Male von Fräulein Käthe Fißcher, Berlin,
und Lothar Dietrich erfolgt, und zwar über die Südostwand ...
. Die Ersteigung erforderte 3 1/2 Stunden und läßt sich beim
nächsten Male wohl noch um eine Stunde abkürzen. Es ist immerhin
eine schwierige Klettertour und nur geübten Kletterern zu empfehlen".
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1809: Der Zahn der Zeit nagt auch an der Schwarzensteinhütte:
Die Blitzableiteranlage wurde wieder beschädigt, die bisher bewirkten
Maßnahmen, um die beiden Aborte trocken und sauber zu halten, haben
leider noch keine guten Resultate erzielt. Das Dach über den Aborten
und ebenso das Hüttendach ist an verschiedenen Stellen undicht und
wurde durch Blecheinlagen repariert. Auch wurde in diesem Jahr der Weg
von der Daimerhütte zum Rotbachkees wieder einmal durch eine Lawine
größtenteils zerstört. "... Um dem etwa später eintretenden
Holzmangel für Feuerungszwecke abzuhelfen, hat Martin Reden 1000 Stück
Zirbelkiefer auf der oberen Lahneralm an der Trippachschneide aufgeforstet".
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1911: Höchste Besucherzahl! Die Hütte wurde von folgenden
Personen bewirtschaftet: Martin Reden als Wirtschafter, Liesel Reden als
Köchin, Anna Auer als Zimmermädchen, Hanni Brugger aus Gais als
Kellnerin. Am 15. September passierte das 14. Infanterieregiment in Linz
die Schwarzensteinhütte, nachdem es zuvor in der Nähe der Daimerhütte
biwakiert hatte.
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1912: "Ein Lehrer des Skisports, Herr Kreß aus München,
hatte sich in diesem Sommer auf unserer Hütte niedergelassen, um Unterricht
zu erteilen. ... Derselbe hat vier Kurse im Schneeschuhlaufen erteilt,
wodurch eine größere Anzahl Skiläufer sich längere
Zeit auf der Hütte aufgehalten haben. Das Terrain zum Schneeschuhlaufen
im Sommer ist hier allerdings ideal. Man kann sofort von der Hütte
die Schneeschuhe anlegen, um zwischen Trippachsattel und Floitenspitze
zu laufen oder wenn man noch 1/2 Stunde höher bis zum Schneeboden
steigt, so findet man einen prächtigen Übungsplatz auf dem Schwarzensteinkees
zwischen Schwarzenstein und Mörchner. Die Steigung ist mäßig
und Spalten sind nur wenige vorhanden".
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1913: Das Hauptdach wurde in elf Tagesschichten repariert, da es
wieder undicht geworden war. "... Dann wollten die Träger streiken
und mehr Lohn haben, da bei den großen Schneemassen der Holz- und
Provianttransport sich sehr schwierig und anstrengend gestaltete. Um diese
sonst braven Leute zu beruhigen, habe ich ihnen eine besondere Vergütung
von 40 Kronen bewilligt. ... "
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1914: 20./21. Juli: König Friedrich
August III. von Sachsen besucht mit seinem Sohn
Prinz Ernst Heinrich die Schwarzensteinhütte und besteigt
am nächsten Tag mit Major von Tretsch den 3.368 m hohen Schwarzenstein
(Bild)
Nach dem 2. Weltkrieg
Nach dem 2. Weltkrieg befand sich die Schwarzensteinhütte in einem
fürchterlichen Zustand. Alle Fensterscheiben waren eingeschlagen,
die Räumlichkeiten zu Beginn des Sommers voll Schnee, Matratzen und
Decken sowie andere Einrichtungsgegenstände gestohlen bzw. beschädigt.
Damals war es der Bergführer Kröll Adolf aus Luttach und Bonitti
aus Sand in Taufers, die von der Sektion Vittorio Veneto beauftragt wurden,
die Schwarzensteinhütte wieder zu bewirtschaften. Tagelang arbeiteten
Adolf mit Knoll Hiasl aus dem Tale auf der Hütte, schaufelten die
Hütte frei und reparierten die ärgsten Schäden. Die Sektion
Vittorio Veneto, die damals kaum Geld hatte, lieferte gegen Ende des Sommers
Glasscheiben für die Fenster und Decken für die Lager. Die Hütte
wurde kaum von Bergsteigern besucht; über die Runden kamen die beiden
Idealisten nur dadurch, daß sie die Hütten auf der österreichischen
Seite mit Wein und Schnaps belieferten, oder bei schönem Wetter auf
den Schwarzenstein stiegen, um den wenigen Bergsteigern ein Glas Wein anzubieten.
Die Alpini brachten einmal Brenn- und Bauholz bis zum Beginn des Gletschers,
von wo aus von den Bewirtschaftern in mühevoller Arbeit auf die Hütte
gebracht wurde. Adolf Kröll verdiente sich eine Kleinigkeit durch
Führungen auf die umliegenden Gipfel und davon wurden der Eigenbedarf
an Lebensmittel bezahlt. Im darauffolgenden holte Bonitti eine junge Frau
aus Moritzen bei Sand in Taufers als Köchin auf die Hütte, aber
immer noch blieb der erhoffte Besucherstrom aus, sodaß Bonitti die
Hütte Adolf Kröll überließ und von Sand in Taufers
wegzog. Adolf wurde dann von der Sektion offiziell als Hüttenwirt
eingesetzt und führte dann noch zwei Jahre lang mit seiner späteren
Frau Marie die Hütte. Es kamen etwas mehr Besucher, hauptsächlich
einige Alpenvereinsgruppen und das Geschäft lief etwas besser, sodaß
Adolf seine Hochzeit finanzieren konnte.
1950
Im Jahre 1950 versuchte dann Pepi Lanzinger sein Glück, er überließ
dann aber die Hütte der aus Prettau stammenden "Wieser" Anna (Notdurfter).
In den darauf folgenden Jahren nahm die Zahl der Besucher zu, drei Träger
aus dem Tale versorgten regelmäßig die Hütte mit dem Notwendigsten,
es gab Pasta, Schnitzel, Suppen und Braten; der Wein wurde in Korbflaschen
zur Hütte geliefert und Rum zum Tee gab es auch. Hauptsächlich
Ärzte, Advokaten, Industrielle und Studenten kamen an der Hütte
vorbei und alle waren begeistert von der großartigen Aussicht. Im
ersten Jahr waren es an die 400 Übernachtungen und im darauffolgenden
Jahre etwas mehr. Zu verdienen aber war sehr wenig, obwohl an die Sektion
kein Pachtzins bezahlt werden mußte. Die Hütte übernahm
dann der "Wieser" Hansa (Bruder der Anna) und führte sie dann mit
Mayr Franz ("Pfeifer Schneider") zwei Jahre lang. Von 1955 bis 1964 wurde
die Schwarzensteinhütte von letzterem bewirtschaftet, Gehilfe war
Pipperger Adolf und Köchin Mairhofer Paula. Mit Wehmut mußte
im Jahre 1964 die Hütte wieder an das Militär abgetreten werden,
das in den darauffolgenden Sommern die Staatsgrenze kontrollierten. Vieles
gäbe es auch aus dieser Zeit zu berichten.
1972
Im Jahre 1972 wurde die Hütte vom Militär zur Bewirtschaftung
wieder freigegeben, sie befand sich aber in einem erbärmlichen Zustand:
ein Großteil der Schindeln an der Süd- und Westseite wurde vom
Militär verheizt, Fenster, Türen und die verschiedenen Einrichtungsgegenstände
waren beschädigt, und die Materialseilbahn, die vom Militär zur
Versorgung aufgestellt worden war, wurde wieder abgebaut.. Zwei junge Burschen
aus Sand in Taufers übernahmen dann die Führung der Hütte,
setzten sie notdürftig instand und überließen sie nach
zwei Jahren dem aus Gsies stammenden Lehrer Dr. Alfred Niederhofer. An
baulichen Veränderungen bzw. Verbesserungen tat sich sehr wenig: die
Sektion Vittorio Veneto hatte dafür nicht das Geld und der Ertrag
reichte gerade aus, um die Hütte vor dem endgültigen Verfall
zu bewahren. Es mußte sogar ein Pachtzins an die Sektion errichtet
werden.
1978
Im Jahre 1978 verhandelte Günther Knapp mit der Sektion Vittorio
Veneto und übernahm mit seinem Freund Hans Leiter und dem Holzfäller
Rudl Niederkofler aus dem Ahrntal die Bewirtschaftung,
im Jahre 1979 überließ die Sektion Vittorio Veneto dann die
Schwarzensteinhütte dem CAI Bruneck unter der Bedingung, daß
der Name "Rifugio Vittorio Veneto" beibehalten wird. In den Jahren 1979
bis heute wurden dann laufend Verbesserungen während der Sommermonate
durchgeführt und heute steht die Hütte wiederum in gutem Zustand
auf einem Platz, der sich hervorragend für die Besteigung herrlicher
Dreitausender und dient dem Wanderer von Hütte zu Hütte als Unterkunft.